Was ist Mediale Biografiearbeit®?

Was ist Mediale Biografiearbeit®?

Lebensgeschichten, Schicksale und Biografien haben mich schon als Kind fasziniert. Besonders die von Frauen, von Pionierinnen, die zu ihrer Zeit außergewöhnliche Wege gegangen sind und sich in einer Männerwelt durchgesetzt haben.

Die erste Biografie, die ich verschlungen habe, war die von Marlene Dietrich. Sie hat sich nicht aufhalten lassen, auch wenn sie für vieles einen hohen Preis bezahlt hat. Sie hat sich angeblich sogar die Backenzähne ziehen lassen, um ein markanteres Gesicht zu bekommen…  

Erst Jahre später habe ich verstanden, warum gerade ihre Biografie es mir so angetan hatte. Vieles aus ihrem Leben habe ich später ähnlich erlebt (meine Backenzähne habe ich allerdings noch 😉). 

Ich wollte aber nicht nur wissen, was Menschen erlebt und getan haben. Ich wollte verstehen, wie und warum Menschen zu dem werden, was sie heute sind. Und ich wollte es erklären können. Vor allem mir selbst. Ich wollte mich und andere besser verstehen. 

Das war einer der Gründe, warum ich Psychologie studiert habe.

Gleichzeitig wusste ich schon als Kind tief in mir, dass die Dinge, die wir erleben, nicht unabhängig voneinander geschehen. Dass es Zusammenhänge gibt und sich bestimmte Themen durch unser Leben ziehen. Und dass es für alles einen guten Grund gibt.

Während meines Studiums habe ich daraus ein eigenes Modell entwickelt. Das Zwiebelmodell. Das war Basis meiner Coachings, ist Teil meiner Coaching-Ausbildungen und heute die Grundlage der Master-Ausbildung Mediale Biografiearbeit®.

Was ist Mediale Biografiearbeit®?

Bei der Medialen Biografiearbeit geht es darum, die tieferen Zusammenhänge in einer Lebensgeschichte zu erkennen und zu verstehen.

Die großen Themen unseres Lebens sind nicht zufällig da. Sie sind Teil von dem, was wir uns für dieses Leben vorgenommen haben.

Wir kommen auf diese Welt, um bestimmte Erfahrungen zu machen, uns zu entwickeln und alte Verletzungen zu heilen. Darum begegnet uns dasselbe Thema im Laufe unseres Lebens immer wieder. Oft in einem völlig anderen Gewand.

Vielleicht erleben wir immer wieder Ablehnung, Verluste oder Machtlosigkeit. Oder wir geraten in Situationen, die objektiv gar nicht dramatisch sind, uns aber trotzdem völlig aus der Bahn werfen.

Dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen. 

Wenn eine Reaktion besonders intensiv ist, hat sie immer eine Geschichte.

Warum trifft mich das so sehr?

Ein Beispiel aus meinem eigenen Leben.

Von klein auf hatte ich ein sehr gutes Verhältnis zu männlichen Autoritätspersonen. Meine männlichen Lehrer haben mich gefördert. Von vielen Lehrerinnen fühlte ich mich während meiner Schulzeit dagegen abgelehnt. Auch während meiner Ausbildung und an der Universität blieb das so.

Im Verlauf meiner beruflichen Entwicklung hatte ich immer wieder Schwierigkeiten mit starken weiblichen Vorgesetzten. Einige hatten mich gerade wegen meiner eigenen starken Persönlichkeit eingestellt. Doch irgendwann gab es „Situationen“, weil ich eine eigene Meinung hatte und die auch vertreten habe.

Ich fühlte mich eingeschränkt und oft ungerecht behandelt.

Lange habe ich nicht verstanden, warum mir das immer wieder passiert ist. Bis mir bei einer meiner Chefinnen endlich der Groschen fiel.

Meine Mutter war ein Kriegskind und hatte viele schreckliche Dinge erlebt. Sie war mir gegenüber sehr kühl und distanziert und ich wusste nie, woran ich mit ihr war.

Genau so war es bei all den weiblichen Führungskräften, die in diesem Thema Stellvertreterinnen für meine Mutter waren. Die Konflikte mit diesen Frauen hatten immer wieder dasselbe alte Thema in mir berührt.

Als ich verstanden hatte, worum es dabei wirklich ging, war ich zum ersten Mal in der Lage, das hineinschwappende Thema aus meiner Vergangenheit und die aktuelle Situation zu trennen. Und ich habe aktiv Frieden mit der Mutter meiner Kindheit gemacht.

Auch später hatte ich es noch mit dominanten weiblichen Vorgesetzten zu tun. Doch das hat mir ab diesem Zeitpunkt nie wieder Stress bereitet.

Das primäre Szenario

Nach meiner Erfahrung liegt hinter allen großen Lebensthemen eine frühe Schlüsselerfahrung. 

Das nenne ich: das primäre Szenario.

Vielleicht hast Du als Erwachsene eine tiefe Angst, verlassen zu werden. Vielleicht rinnt Dir das Geld durch die Finger, egal wie sehr Du Dich bemühst. Oder Du fühlst Dich oft machtlos, obwohl Du das heute gar nicht mehr bist.

Irgendwo hat diese Geschichte angefangen.

Das bedeutet nicht, dass wir später immer wieder genau dasselbe erleben. Die Menschen und Situationen können völlig unterschiedlich sein. Aber das Thema dahinter ist dasselbe.

Den Ursprung, also das primäre Szenario, zu erkennen, ist dabei nur ein Teil der Story. Es geht auch darum, zu erkennen, warum es überhaupt in einem Leben ist.

Bei den schwierigen Beziehungen zu weiblichen Autoritätspersonen ging es für mich darum, in mir selbst und in meiner Seele die Liebe und Anerkennung zu finden, die ich von meiner Mutter nicht bekommen hatte. Und Frieden mit dem Gefühl zu machen, immer wieder abgelehnt und ungerecht behandelt worden zu sein. 

Das war das eigentliche Thema dahinter.

Manche Geschichten beginnen schon vor unserer Geburt

Doch nicht alles, was uns in diesem Leben beschäftigt, hat seinen Ursprung in unserer Kindheit.

Manche Themen kommen aus unserem Familien- oder Ahnensystem (und andere haben wir aus früheren Leben mitgebracht, um sie in diesem Leben für uns zu klären, aber das führt jetzt zu weit 😉).

Dazu wieder ein Beispiel aus meinem eigenen Leben.

Ich bin öfter umgezogen als jeder andere Mensch, den ich kenne. 

Lange habe ich mir das damit erklärt, dass ich einfach gerne umziehe, weil ich es liebe, neue Räume einzurichten und zu gestalten.

Das stimmt zwar, ist aber nur die halbe Wahrheit.

Durch meine Jahrzehnte als Aufstellungsleiterin wurde mir immer klarer, dass häufiges Umziehen mit einer Vertriebenenthematik in der Familiengeschichte zusammenhängen kann. Wie es sie auch in meiner Familie gibt. 

Wenn Eltern, Großeltern oder Urgroßeltern vertrieben worden sind oder aus anderen Gründen ihre Heimat verlassen mussten, suchen die Generationen danach oft weiter ihren Platz. Das kann sich durch häufige Umzüge oder auch in häufigen Job- oder Partnerwechseln zeigen. Und es hört in vielen Fällen auf, wenn wir das Thema dahinter erkannt und dem System zum Beispiel durch Aufstellungen Frieden gebracht haben.

Ich habe danach zwar nicht völlig aufgehört umzuziehen. Aber ich konnte zum ersten Mal in meinem Leben mehr als zehn Jahre an einem Ort bleiben. 😇

Was ist daran medial?

Meine mediale Wahrnehmung ist ein wichtiger Teil meiner Arbeit.

Sehr oft bekomme ich Informationen über einen Menschen und seine Geschichte, die ich „eigentlich“ nicht wissen kann. 

Ich schaue zum Beispiel mit jemandem, der es schwer hat, Freude und Leichtigkeit zu empfinden, auf seine Lebensgeschichte und plötzlich kommt mir die Frage: „Gibt es ein verstorbenes Geschwisterkind?“ 

Sehr oft ist diese Information dann das bisher fehlende Puzzleteil. Dadurch erklären sich endlich Erfahrungen und vor allem Gefühle, die sich durch das ganze Leben gezogen haben.

Der mediale Blick kann auch noch weiter zurückführen. Denn manche Themen haben nicht erst in diesem Leben begonnen. Die Geschichte dahinter kann sehr viel älter sein.

Wichtig dabei: Eine mediale Information ist nicht automatisch eine Tatsache. Ich unterscheide bei der Medialen Biografiearbeit sehr klar zwischen Fakten, Hypothesen und intuitiven oder medialen Informationen.

Und man muss nicht selbst medial sein, um Mediale Biografiearbeit® anzuwenden. Die mediale Wahrnehmung ist eine zusätzliche Informationsquelle, aber keine Voraussetzung.

Warum Erkenntnis so wichtig ist

In meiner Arbeit mit Menschen habe ich immer wieder erlebt, dass ein eigentlich gelöstes Thema zurückkommt, wenn die Erkenntnis darüber fehlt, worum es dabei in der Tiefe wirklich ging.

Heute ist viel von Verkörperung die Rede. Vom Durchfühlen von unerwünschten Emotionen. Das kann helfen, aber Fühlen allein genügt oft nicht.

Für mich gehören Seele, Geist und Körper zusammen. Damit ein Thema wirklich auf allen Ebenen geklärt werden kann, braucht es deshalb auch das Verstehen:

Was ist mir passiert?

Warum hat es mich so geprägt?

Wie hängt das mit meinem späteren Leben zusammen? 

Und welche Bedeutung hat es für meine Entwicklung?

Wenn wir nicht nur fühlen, sondern auch verstehen und nachvollziehen können, kann das ganze System nachhaltig zur Ruhe kommen und Frieden finden.

Manchmal reicht eine Erkenntnis aus, um mit einem alten Thema anders umzugehen und das bis dahin unbewusste Muster zu unterbrechen. So war es bei mir mit den weiblichen Autoritätspersonen und auch bei meinem Umzugsthema.

Und manchmal wird durch die Erkenntnis endlich sichtbar, was es noch braucht, um ein altes Thema wirklich zu heilen und aufzulösen. Das kann bei tiefgehenden Traumata auch mal eine therapeutische Begleitung erfordern.

Mediale Biografiearbeit® ist keine Traumatherapie

Tief arbeiten heißt nicht, immer tiefer zu graben.

Mediale Biografiearbeit® arbeitet erkenntnisorientiert und ist keine Traumatherapie.

Wenn sich dabei Hinweise auf ein Trauma zeigen (und das ein oder andere Trauma haben viele von uns noch in Kisten im Keller), geht es nicht darum, es im Coaching sofort aufzulösen.

Es geht auch nicht darum, möglichst tief in der Vergangenheit zu wühlen.

Es geht darum, das eigene Leben besser zu verstehen.

Es geht darum, Dich und andere besser zu verstehen. 

Alles Liebe

Angelika Gulder

PS: Wenn Du Mediale Biografiearbeit® nicht nur kennenlernen, sondern selbst damit arbeiten willst, findest Du hier alle Informationen zu meiner Master-Ausbildung Mediale Biografiearbeit®.

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