Vom Mut, seine Träume zu leben

Fliegen lernen, auswandern, den Traumjob oder -partner finden, ein Baby bekommen, ein eigenes Haus haben, sich endlich selbstständig machen. Jeder hat Träume. Manche begleiten uns ein halbes Leben, bis sie wahr werden. Manche entstehen erst im Laufe unserer Entwicklung. Und manche ändern ihr Gesicht, während sich in unserem die ersten tiefen Falten bilden.

Lebensträume sind langfristig wiederkehrende, intensive, hoch positiv besetzte Wünsche, Bedürfnisse und Gedanken in Bezug auf Personen, Dinge, Lebensumstände und Inhalte.

Sich der eigenen Lebensträume bewusst zu werden und sie zu erfüllen, ist nichts, was Menschen, die wir im Fernsehen sehen oder über die wir in der Zeitung lesen vorbehalten ist. Lebensträume gehen uns alle an. In jedem Leben gibt es unerfüllte Sehnsüchte, ungelebte Potenziale und geheime oder gar „verbotene“ Wünsche.

Wesenskern und Lebensträume

Der Psychologe und Traumforscher C.G. Jung ging davon aus, dass in unserem Inneren, unserem Wesenskern, schon bei der Geburt alles angelegt ist, was wir verwirklichen können und auch sollen, um ein erfülltes und authentisches Leben zu führen und glücklich zu sein.

Der Wesenskern beinhaltet unser gesamtes Potenzial. Damit wir uns nicht gemütlich in unserer Komfortzone einkuscheln, sondern es tatsächlich leben, sendet unsere Seele immer wieder Botschaften in Form von Lebensträumen. Wonach wir uns aus tiefstem Herzen sehnen, können wir auch realisieren. Es ist Teil unseres Lebensplans.

Mit Potenzial allein ist es aber nicht getan. Ich muss auch bereit sein, mich voll einzusetzen und statt abends auf der Couch zu liegen, die nötige Fortbildung für meinen Traumjob zu machen oder den Nebenjob zu finden, um mir den Traum von der Weltreise zusammenzusparen.

Die meisten Träume scheitern nicht, weil sie unerfüllbar sind, sondern weil die Menschen zu bequem sind und sich ständig sagen, warum etwas sowieso nicht geht, statt sich zu fragen, wie es gehen könnte.

Als Kind träumt man oft noch von einem aufregenden Job, dem idealen Partner oder davon, ein berühmter Künstler zu sein, doch je älter man wird, desto mehr übernimmt der Verstand die Kontrolle. Man ergreift einen „vernünftigen“ Beruf, passt sich den Rahmenbedingungen an und tut, was alle tun. Das gilt für den Job, aber auch für Partnerschaften, Wohnorte, Besitz, Freunde und alles andere in unserem Leben. Wieso schränken wir uns so sehr ein? Heiraten, Kinder haben, die Karriereleiter rauf, ein Häuschen in der Vorstadt. Ist es wirklich das, was wir wollen?

Tag des Erwachens

In den ersten Jahren als Coach war ich davon überzeugt, wer seine Berufung gefunden und den richtigen Job hat, ist erfüllt und glücklich. Doch dann begegneten mir immer mehr Menschen, bei denen es um viel mehr ging; die auch vom Haus am See träumten, einen eigenen Fußballclub haben oder die höchsten Berge besteigen wollten. Mir wurde klar: Nicht nur der Job muss wirklich zu uns passen, sondern auch alles andere.

Jeder Mensch kommt etwa in der Lebensmitte an einen Punkt, an dem er sein Leben (noch einmal) in Frage stellt. C.G. Jung nannte diesen Moment den „Zeitpunkt des Erwachens“. Dann ist die „Individuation“ an der Reihe, die Befreiung unseres wahren Wesenskerns.

Das heißt, sich nicht mehr danach zu richten, was „man sollte“ oder was „im Allgemeinen“ richtig wäre, sondern seine eigene innere Wahrheit zu finden. Eines Tages wachen wir auf und realisieren, dass die Hälfte unseres Lebens bereits vorbei ist. Ein guter Moment, um zu entscheiden, was man mit dem Rest seines Lebens anfangen will.

Eigene und übernommene Träume

Wenn Sie heute sterben würden, hätten Sie dann das Gefühl, wirklich gelebt zu haben? Könnten Sie heute diese Welt verlassen und würden zufrieden auf Ihr Leben zurückblicken? Haben Sie erfüllt, wovon Sie geträumt haben? – und waren das wirklich Ihre eigenen Träume?

Menschen machen den Doktortitel, übernehmen die Arztpraxis oder den Bauernhof, auch wenn es in ihnen eine Sehnsucht nach einem ganz anderen Leben gibt. Studieren, weil die Mutter sich das immer gewünscht hat, obwohl sie lieber Goldschmied geworden wären. Halten die unglückliche Ehe aufrecht, um den Eltern das Gerede der Nachbarn zu ersparen. Die Medien tun ihr Übriges, indem sie weismachen, wenn wir jenes Objekt haben oder dieses Aussehen, dann wird unser Leben glücklich. Und so träumen manche vom Porsche oder dem neuen Busen, ohne dahinter ihr Bedürfnis nach Liebe und Anerkennung zu erkennen.

Die Quelle dafür liegt in unserer Kindheit. Wir wollen unsere Eltern nicht enttäuschen oder möchten etwas wahr machen, was ihnen nicht möglich war. Oder wir möchten haben, was alle haben, damit wir dazu gehören und „etwas darstellen“.

Aber niemand ist dafür geschaffen, sein Leben nach einem äußeren Maßstab, der Gesellschaft oder anderen Menschen auszurichten. Es geht um unsere eigene Wahrheit. Wir können entscheiden, in welchem Land wir leben, mit wem wir zusammen sein, was wir beruflich tun und sogar wie wir aussehen wollen. Glück und Sinn im Leben finden wir aber nicht durch immer mehr materiellen Wohlstand, das außergewöhnlichste Urlaubsziel oder das schickste Auto, sondern durch die Realisierung unseres inneren Potenzials.

Verhinderer des Glücks

Was aber hindert uns daran, unsere wahren Träume und unser Potenzial zu leben? Die unbewussten hinderlichen Überzeugungen. Wir erkennen sie daran, dass sie uns ständig weismachen wollen, dass unser Traum unrealistisch ist, unvernünftig, nicht zu schaffen oder nicht erlaubt.

Diese Überzeugungen entstehen in der Kindheit. Wir lernen, was „richtig“ und „falsch“ ist, was wir glauben zu können und was nicht. Wachsen wir in idealen Rahmenbedingungen auf („Probier das ruhig aus, ich fang Dich auf“ und „Toll, wie mutig Du bist“), verinnerlichen wir die Überzeugung, dass wir viel oder gar alles erreichen können. Wir glauben an uns und leben unsere Träume.

Sind die Rahmenbedingungen nicht ideal („Pass auf, sonst fällst Du da runter“, „Lass das, das tut man nicht“), verinnerlichen wir Überzeugungen, die uns glauben lassen, dass wir es sowieso nicht schaffen und die stehen uns dann bei der Erfüllung unserer Träume im Weg.

Unser Wesenskern, das, was wir wirklich sind, ist unter vielen Schichten von Konventionen, Gewohnheiten und Anpassungen verborgen. Unsere Lebensaufgabe ist es, diese Schichten wieder abzutragen und unsere wahren Träume zu erkennen.

Sonst haben wir keine Orientierung, keinen Kurs im Leben und keine klaren Ziele. Und ohne eigenen Lebensplan, reagieren wir, statt zu agieren und tun das, was andere wollen oder von uns erwarten, statt das, was wir wollen und was wir von uns erwarten.

Den eigenen Weg finden

Wie viel Zeit haben Sie sich in den letzten zwölf Monaten für die Erfüllung Ihrer Lebensträume genommen?

Wissen Sie, was Lebenstraum-Profis von anderen Menschen unterscheidet? Ein Prozent Begabung und 99% Fleiß. Um den Schlüssel zu seinen Träumen und seinem Glück zu finden, muss man sich selbst und seine Träume systematisch und gründlich kennenlernen und bereit sein, Energie, Zeit und manchmal auch Geld zu investieren, um sie wahr zu machen.

Doch wie geht das? Als erstes machen Sie sich Ihre Bedürfnisse und Sehnsüchte bewusst. Erinnern Sie sich an die Träume Ihrer Kindheit.

Was wollten Sie werden, wenn Sie groß sind?

• Wie wollten Sie leben und lieben?
• Wollten Sie einen Job haben, bei dem Sie viel rumkommen?
• Abenteuer erleben?
• Wonach haben Sie sich gesehnt?
• Wollten Sie frei sein?
• In Sicherheit?
• Ein ganz und gar verrücktes Leben führen?

Und wovon träumen Sie heute?

• Sehnen Sie sich nach einem anderen Job?
• Einem Sabbatical?
• Wollen Sie sich selbstständig machen?
• Auf dem Land leben oder in New York?
• Wovon träumen Sie oft in der Nacht?
• Was ist der Inhalt Ihrer Tagträume?
• Und welche Themen begegnen Ihnen und faszinieren Sie immer wieder?

Natürlich können Träume sich mit den Jahren auch verändern. Als Kind träumt man vielleicht davon, kreativ zu arbeiten und stellt sich dazu einen Künstlerberuf vor. Später wird daraus dann ein eigenes Café. Oder man träumt als Kind vom Haus auf dem Land, als Erwachsener fühlt man sich dann auch in der Eigentumswohnung mit Garten wohl. Die Grundidee, kreativ zu sein oder im Eigenheim zu wohnen, bleibt dabei aber immer erhalten.

Unsere Träume sind die große Überschrift, unter der sich dann viele Facetten des Traums zeigen können und realisiert werden wollen.
Fahnden Sie nach den Gemeinsamkeiten in Ihren Träumen. Worum geht es Ihnen wirklich? Wenn Sie das erkannt haben, können Sie es in überschaubare Ziele übersetzen und angehen.

Wobei, Sie müssen Ihre Träume nicht gleich morgen und auch nicht in Gänze erfüllen. Und auch Scheitern ist nicht schlimm. Forscher sagen, dass uns nicht am meisten glücklich macht, ein Ziel tatsächlich zu erreichen, sondern es überhaupt anzustreben.

Darum denken Sie lieber zu groß, als zu klein. Wieso nur ein Zuhause haben? Wo steht, dass man nicht zwei oder drei Menschen lieben kann? Wieso nicht mit fünfzig noch mal zur Uni gehen? Wieso nicht die Weltreise machen, auch wenn man dafür das Haus verkaufen muss?

Mut zum Leben Ihrer Träume

Sie wollten schon immer eine Katze aus dem Tierheim holen? Sich ehrenamtlich für alte Menschen engagieren? Sie träumen seit Ihrer Kindheit davon, einmal mit dem Orientexpress zu fahren? Dann tun Sie es. Tun! Sie! Es! Das Leben ist zu kurz für Kompromisse.

Ob Sie Ihre wahren Träume verwirklichen sollen oder nicht, die Frage stellt sich übrigens nicht. Sie müssen sie verwirklichen, wenn Sie ein erfülltes Leben führen wollen. Denn die wichtigste Verabredung, die wir in diesem Leben haben, ist die mit uns selbst. Oder wie C.G. Jung in einem meiner Lieblingssätze sagte: „Du musst dich entscheiden, willst du gut sein oder ganz“.

Take Action!

Welche Erkenntnis nehmen Sie aus diesem Artikel mit?
Wie können Sie das in Ihrem Leben umsetzen?
Was ist der erste Schritt und bis wann wollen Sie ihn getan haben?

Danke fürs Lesen!

Alles Liebe und bis bald

Angelika